HERBERT HAAS

 

Verwitterungen

Leben, eine unendliche Metamorphose und was ist Kunst?

Das Gegenteil? Konservierbar, unsterblich?

Es gibt einen gigantischen Kunstmarkt.

Und unübersehbar viel Kunstmarkkunst. Der Kunstpreis gibt Auskunft über den Kunstwert.

Und die Hüterin der Kreativität ist inzwischen die Werbung, nicht mehr die Kunst.

Wozu sollte ich also noch weitere Bilder malen?

Ich wusste keine Antwort.

Trug  meine Arbeiten in den Garten. Vergrub sie.

Das Interesse für Wandlungen, für den Verfall, wie sie in der Natur zu beobachten sind, wurde geweckt.

Der unaufhörliche Prozess des Übergangs fesselte mich.

Dem herkömmlichen Diktat der kostbaren Ware Kunst setzte ich nun im Sinne der L`Art Brut die Auffassung von den „armen“ Materialien entgegen.

Unbehandelte Spanplatten wurden bevorzugte Bildträger.

Ich sammele Fundstücke, deren äußere Erscheinungsform mich anregten und in deren Verwitterungsprozesse ich gestalterisch eingriff.

Bakterien und Neugierde, Wind und Zufall, Feuer und Zeit wurden Arbeitsmaterialien.

So entstehen fragile Geschöpfe, zunehmend instabil, verletzlich, verwundbar.

Sie tauschen ihre Unsterblichkeit mit dem ständigen Wandel.

Inzwischen sind manche Bilder fast vollständig verwittert. Unter Pappresten, haben sich Asseln angesiedelt. Getier, viel älter als der Mensch und seine Kunst.